Mastitis-Kontrollplan Teil 1: Nützliche Empehlungen zur Vorbeugung der Krankheit
In dieser Reihe der Episode möchten wir Euch hilfreiche Einblicke in die Entstehung einer Mastitis geben und Euch einige sinnvolle Maßnahmen aufzeigen, mit denen Ihr der Krankheit bestmöglich vorbeugen könnt.
Mastitis gilt als die teuerste Krankheit bei Milchkühen, mit verherenden wirtschaftlichen Auswirkungen. Tatsächlich verringert eine Euterentzündung die Milchproduktion, während gleichzeitig die Behandlungskosten und der Arbeitsaufwand steigen. Um die Auswirkungen der Mastitis zu minimieren, sollten Landwirte daher bei der Kontrolle und Vorbeuge des Milchviehbestands äußerst sorgfältig vorgehen.
Zunächst einen Überblick über die Hauptursachen, sowie einige mögliche Maßnahmen zur Vorbeugung von Mastitis.
Anschließend konzentrieren wir uns auf die Rolle der Zitzengummis, die bei der Entstehung oder Vermeidung einer Mastitis eine entscheidende Rolle spielen. Dabei stützen wir uns auf die Expertise von Luiz Cutolo (Commercial VP – Americas).
Unterschiedliche Erreger, unterschiedliche Mastitisformen
Zu den Anzeichen einer Mastitis gehören eine Verfärbung der Milch und ein vermehrtes Auftreten von Blutklumpen oder weißen Flocken (weißen Blutkörperchen) in der Milch sowie pathologische Veränderungen im Eutergewebe, wie zum Beispiel geschwollene Zitzen und Euter.
Die Kenntnis ueber die Infektionsquelle ist unerlässlich, um die geeignete Behandlungsmethode von Mastitis zu bestimmen.
Tatsächlich kann dies, je nach Art der die Mastitis verursachenden Krankheitserreger, Folgendes sein:
Ansteckende Mastitis: Die Krankheitserreger leben auf der Zitzenhaut oder im Inneren des Euters und breiten sich beim Melken von infizierten auf gesunde Viertel aus. Dies kann über kontaminierte Hände, Handschuhe oder Handtücher des Melkers sowie durch Fliegen erfolgen. Diese Art der Mastitis verläuft häufig subklinisch, d. h., die Symptome werden vom Tier oft nicht eindeutig gezeigt, sondern sind nur anhand einer hohen somatischen Zellzahl (SCC) erkennbar.
Umweltbedingte Keime haften an Zitzen oder Euter und können zwischen oder während des Melkens in den Melkkanal gelangen, wenn das Tier mit einer kontaminierten Oberfläche in Kontakt kommt. In diesem Fall handelt es sich vorwiegend um eine klinische Mastitis, deren Symptome bei den Kühen und in ihrer Milch deutlich sichtbar sind.
Grundprinzipien der Mastitiskontrolle
Die Hauptgefahren für die Entstehung von Mastitis bei Tieren liegen in falschen Melkverfahren, hohem Umwelt-Keim-Druck oder einem schwachen Immunsystem.
Bei der Bekämpfung von Mastitis bei Milchkühen ist es deshalb entscheidend, die Zitzen gegenüber potenziellen Krankheitserregern zu schützen oder die Infektionsschutz zu erhöhen. Wie können diese beiden Ziele erreicht werden?
Die Euterhaut dient als erste Verteidigungslinie gegen Bakterienbefall. Daher sollte die Unversehrtheit von Euter und Zitzen höchste Priorität haben. Dies kann durch ausreichende Hygiene während und nach dem Melken, eine korrekte Funktion der Melkmaschine, die Vermeidung von Übermelken sowie die Überwachung des Euters mittels Zitzenendbeurteilung erreicht werden.
Landwirte sollten sich daher auf einen Mastitis-Kontrollplan einsetzen, der eine wesentliche Rolle bei der Verhinderung des Ausbruchs und der Ausbreitung von Euterentzündungen in der Herde spielen kann. Tatsächlich waren sich Luiz und Ghislain einig, dass für ein schnelles und vollständiges Melken, bei dem das Risiko einer Beschädigung der Zitzen der Kühe vermieden wird, auf den Melkablauf geachtet und für angemessene Einstellungen des Melksystems, der Vakuumwerte und der Pulsationsphasen gesorgt werden muss.
Da die umzusetzenden Maßnahmen darauf abzielen, drei Hauptziele zu erreichen, d.h. eine einfache, saubere und trockene Umgebung, einen perfekten Melkablauf sowie optimale Melkmaschinenparameter, wird dieser Plan als „Mastitis-Dreieck“ bezeichnet.
Impfungen sind zwar eine Möglichkeit, um die Immunantwort der Kühe gegen Mastitis anzuregen, doch das eigene Immunsystem der Kühe ist eine weitere Verteidigungsmöglichkeit, die vorrangig berücksichtigt werden muss.
Vor diesem Hintergrund sind zwei wesentliche Aspekte sowie die entsprechenden Empfehlungen zu berücksichtigen.
Den Tieren muss eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen gewährleistet werden. Beide sind für die ordnungsgemäße Funktion der Immunkomponenten unerlässlich, beispielsweise für die Erkennung von Krankheitserregern und die Antikörperreaktion.
Wichtige Vitamine für die ordnungsgemäße Funktion des Systems sind A, D und E, während unter den Mineralstoffen insbesondere Selen nachweislich die Immunabwehr der Kühe stark unterstützt. Je höher der Se-Spiegel, desto niedriger die SCC (Abbildung 1).
Zink ist ein weiteres Element, das nicht unterschätzt werden sollte, da ein Mangel zu Rissen in der Zitzenhaut führen und deren Widerstandsfähigkeit gegen Bakterien beeinträchtigen kann. Darüber hinaus sinkt der Zinkspiegel im Blut um den Zeitpunkt des Kalbens herum drastisch, wodurch das Tier sehr anfällig für Infektionen wird.
Abbildung 1 – Zusammenhang zwischen dem Selenspiegel im Herden- Blutplasma und der SCC im Sammeltank
Quelle: DairyGlobal – Mastitis richtig behandeln
Den Kühen sollte so wenig Stress wie möglich zugemutet werden. Genauer gesagt, schütten Rinder bei Unbehagen oder Schmerzen, sei es durch extreme Hitze oder Kälte, eine verschmutzte Umgebung oder eine fehlerhafte Melkroutine, sowohl Adrenalin als auch Cortisol aus. Diese Hormone unterdrücken die Reaktion immunkompetenter Zellen auf Krankheitserreger und verzögern so deren Eintreffen am Entzündungsort. Dadurch werden Kühe anfälliger für Infektionen wie Mastitis.
Da die Trockenstehperiode eine kritische Phase für Rinder darstellt, in der sie besonders anfällig für Zitzeninfektionen sind, kann die Umsetzung eines angemessenen Trockensteher-Managements eine kluge Entscheidung sein.
Um Mastitis festzustellen und zu typisieren, setzen immer mehr Landwirte auf die eigene Milchproben Kultivierung.
In Kombination mit der Unterstützung durch den Tierarzt kann der Landwirt, fundierte Behandlungsentscheidungen treffen und gleichzeitig den unnötigen Einsatz von Antibiotika um bis zu 50 % reduzieren, da diese nur dann eingesetzt werden, wenn sie voraussichtlich wirksam sind (z. B. bei Infektionen mit grampositiven Bakterien).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir die besten Mittel zur Bekämpfung von Mastitis identifiziert und gleichzeitig die Bedeutung der Erhaltung der Eutergesundheit hervorgehoben haben, um zu verhindern, dass Bakterien in den Zitzenkanal gelangen, sei es während des Melkens oder beim Kontakt mit einer kontaminierten Umgebung.
In der nächsten Folge werden wir uns insbesondere mit dem Zusammenhang zwischen Mastitis und Zitzengummis befassen, denn das Wohlbefinden des Euters hängt maßgeblich davon ab. Verpasst es nicht!
milkrite | InterPuls danken Luiz Cutolo für seine wertvolle Unterstützung.
Quellen:
Controle de mastite: Como as teteiras podem influenciar? Cutolo, 2021
Difese immunitarie della bovina – saperne di più 07/2011
Mastitis control in dairy production Sharif, Umert, Muhammad – Journal of Agriculture and Social Science, 2009
(PDF) Mastitis control in dairy production (researchgate.net)
On-Farm Culture: The Smart Approach to Clinical Mastitis Treatment Yutzy – PennState Extension, 01/2023
On-Farm Culture: The Smart Approach to Clinical Mastitis Treatment
Overview of the Cattle Immune System Cooke
Beef Cattle Library - Reinaldo Cooke IMMUNE SYSTEMx (oregonstate.edu)
Tackling mastitis the right way Warren – DairyGlobal, 06/2021
Using an On-Farm Culturing System to Identify Mastitis Causing Pathogens Sterrett, Bewley – University of Kentucky, Department of Animal & Food Sciences
Using an On-Farm Culturing System to Identify Mastitis Causing Pathogens